Rund um die Welt machen sich Männer für Frauen und Mädchen stark.
FÜR MEHR GLEICHBERECHTIGUNG
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Text: World Vision Schweiz
Bildung, Gewaltfreiheit, eigene Partnerwahl: In vielen Gegenden der Welt fehlen Mädchen und Frauen diese grundlegenden Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Um das zu ändern, setzen sich Hilfsorganisationen wie World Vision schon seit langem für Frauenrechte ein. Dabei geht es nicht nur darum, Mädchen und Frauen neue Bildungschancen zu eröffnen und ihnen zu zeigen, wie sie sich gegen Zwang und Unterdrückung wehren können. Auch die Arbeit mit Vätern und Partnern ist ein wesentlicher Schritt im Kampf für mehr Gleichberechtigung.
Hier sind inspirierende Beispiele von Männern, die ihre eigene Einstellung zu Frauenrechten dramatisch geändert haben – und sich jetzt aktiv für die Frauen und Mädchen in ihren Gemeinden engagieren.
Super-Daddy: Mangay Lal und Tochter Mahima auf dem Schulweg.
Väter für Bildung
Die Väter Mangay Lal und Promod Kumar sind Mitglieder einer sogenannten «MenCare»-Gruppe in Indien. Diese Männergruppen werden von Hilfsorganisationen wie World Vision geführt und sind in mehr als 50 Ländern aktiv. In ihnen sprechen Männer über ihre Beziehungen, ihre Sorgen und Probleme, aber auch ihre Hoffnungen. Sie lernen, traditionelle Geschlechterrollen zu überwinden und Streitigkeiten in der Familie gewaltfrei zu lösen. Für die Männer selbst ist es oft befreiend, sich als Väter und Partner neu zu definieren.
«Früher war ich stolz auf meine Männerrolle: ich arbeite und bringe Geld ins Haus, und das war’s. Der Rest ging mich nichts an», sagt Mangay Lal. Seit er bei der MenCare-Gruppe ist, hat sich seine Einstellung geändert: «Es ist wichtig, seine Familie und seine Kinder zu lieben, und die Kinder zu motivieren, im Leben voranzukommen und nicht dem gesellschaftlichen Druck beizugeben.»
Die Bildung seiner Tochter Mahima liegt ihm sehr am Herzen. Er unterstützt Mahima beim Lernen und ermutigt sie, sich über gesellschaftliche Grenzen hinwegzusetzen.
Hochkonzentriert: Promod Kumar und Tochter Riya bei den Hausaufgaben.
Promod Kumar überlegte schon früher oft, wie man die negativen Einstellungen seiner Gemeinde gegenüber Mädchen ändern könnte. Die MenCare-Gruppe half ihm, seine Gedanken in konkrete Taten umzuwandeln. Er setzt sich für die Bildung seiner Tochter Riya und anderer Mädchen ein und motiviert andere Väter, an ihre Töchter zu glauben.
«Sie haben dieselben Rechte wie die Jungen», sagt er. «Kinder haben Wünsche. Seitdem ich bei dieser Gruppe bin, habe ich gelernt, dass wir diese kleinen Wünsche erfüllen und nicht einfach ignorieren sollten. Wir müssen Kindern und vor allem Mädchen zeigen, dass sie besonders sind, und dass wir sie schätzen.»
Glückliche Familie: Für Abigael, Meshack und der kleine Rashford schafft die Gleichberechtigung mehr Harmonie.
Starke Partner
In Kenia hat MenCare das Familienleben von Meshack, seiner Frau Abigael und seinem zweijährigen Sohn Rashford komplett umgekrempelt. Meshack und Abigael führen eine sehr glückliche Ehe, zeigen offen ihre Gefühle füreinander, und lachen viel zusammen. In ihrer Gemeinde in Elgeyo Marakwet County sind solch innige Beziehungen selten. Stattdessen werden Männer von kleinauf ermutigt, ihre Gefühle zu unterdrücken und kaum offene Zuneigung zu zeigen. Das gilt als männlich und stark. Ihre Familien unterstützen sie durch harte Arbeit, sind aber kaum in die Erziehung der Kinder oder die Gefühle und Gedanken ihrer Ehefrauen involviert.
Während ihrer Schwangerschaft erfuhr Abigael im Krankenhaus von einer MenCare Group in ihrer Gegend. Sie überredete Meshack, es mal auszuprobieren. Die Gruppe trifft sich regelmässig und bespricht Themen wie Ehe, Vaterschaft, Gesundheit und Konfliktlösung. In ihr konnte Meshack sein traditionelles Rollenverständnis kritisch hinterfragen. Er verstand, wie wichtig er für seine Familie war, und entschied sich, ein engagierter und offener Vater zu werden. Er find zum Beispiel an, Abigael zu fragen, wie es ihr ging, und wie sie sich fühlte. Wenn sie müde und erschöpft war, übernahm er den Haushalt, damit sie sich ausruhen konnte. Sie treffen alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam und entscheiden zusammen, was sie auf ihren Feldern anbauen und wie sie ihr Einkommen verwenden.
Jetzt sieht Meshack, wie positiv sich seine liebevolle Beziehung mit Abigael auf Rashford auswirkt. Sein Sohn ist selbstbewusst und glücklich. «Wir sind beide für sein Leben und sein Glück verantwortlich», sagt Meshack. «Zusammen schaffen wir es, ihn richtig grosszuziehen.» Abigael erwartet ihr zweites Kind. Gerade in der Coronakrise weiss sie Meshacks Unterstützung zu schätzen: «Ich war so gestresst, wollte nur zuhause bleiben und nie rausgehen. Aber mein Mann ermutigte mich, zu den Vorsorgeuntersuchungen im Krankenhaus zu gehen. Er versprach mir, das alles gut werden würde, solange ich eine Maske trug, mir die Hände wusch und eine sichere Distanz zu anderen Leuten einhielt.»
«Ich wusste gar nicht, dass es so schön sein kann, an ihrem Leben teilzuhaben», sagt Kobinath in Sri Lanka.
Auch in Sri Lanka bringen die MenCare-Gruppen Familien enger zusammen. «Morgens mache ich meine Kinder für die Schule fertig. Ich teile auch die Hausarbeit mit meiner Frau, koche und wasche. Ich wusste gar nicht, dass es so schön sein kann, an ihrem Leben teilzuhaben», sagt Kobinath, der früher wenig Zeit mit seiner Familie verbrachte. Jetzt macht es ihn stolz, mittendrin zu sein.
Adahrii Daikho bekämpft Missbrauch, Zwangsehe und Kinderhandel in Indien.
Gegen Missbrauch und Gewalt
Nicht nur in ihren eigenen Familien setzen sich Männer für Frauenrechte ein. Adahrii Daikho arbeitet für World Vision in Indien, und kämpft dort gegen Kinderhandel und Kindesmissbrauch. Gerade in Krisenzeiten, ausgelöst durch Naturkatastrophen, Stürme oder auch die COVID-19-Pandemie, sind Mädchen stark gefährdet.
«In dieser Art von Krise schicken Eltern ihre Kinder zur Arbeit, geben ihre Töchter in eine frühe Ehe oder werden sogar Opfer von Kinderhändlern», berichtet er. Er informiert Familien über diese Risiken, unterstützt ehemalige Missbrauchsopfer und ermutigt Kinder und Jugendliche, ihre eigenen Rechte zu erkennen und zu verteidigen.